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Wie lange ins Ausland?

Als Freemover bleibt es dem Auslandsstudenten überlassen, wie lange der Aufenthalt dauern soll. In der Regel macht es Sinn mindestens für einen kompletten Studienabschnitt an der Gastuniversität zu bleiben. Wie lange dieser Studienabschnitt dauert, hängt davon ab, ob die Universität ihre akademischen Jahre in Semester (2 Studienabschnitte pro Jahr), Trimester (3 Studienabschnitte pro Jahr) oder Quartale (4 Studienabschnitte pro Jahr) aufteilt. Ob weitere Studienabschnitte im Ausland absolviert werden sollen hängt von mehreren Faktoren ab:

1. Welchen Nutzen bringt mir ein weiterer Studienabschnitt akademisch?

Beispielsweise könnte es sich lohnen nicht nur für ein Semester nach Australien zu gehen, sondern direkt ein zweites anzuschließen, wenn es während des zweiten Halbjahres besonders spannende Kurse gibt, die man besuchen möchte. Oder aber ein Kurs, der im ersten Auslandssemester besucht wurde, wird im zweiten Semester an der ausländischen Universität fortgesetzt; zieht sich also über ein komplettes Jahr hinweg. Besucht man dann nur ein Semester die Gasthochschule, verpasst man die zweite Hälfte des Kurses. Es kann sich also lohnen mehr als nur ein Semester im Ausland zu bleiben.
Darüber hinaus kann es von Vorteil sein länger als ein Semester im Ausland zu studieren, um die Sprachkenntnisse weiter auszubauen und mehr Routine in ihrer Anwendung zu bekommen.

2. Kann ich mir einen verlängerten Aufenthalt leisten?

Die Kosten für einen weiteren Studienabschnitt im Ausland sind relativ gesehen geringer als für den ersten Abschnitt. Einmalige Kosten wie die Anreisekosten oder die Visumgebühren fallen nicht an. Zudem hat man sich im Studienort schon orientiert und muss sich nicht nochmal auf Wohnungssuche etc. machen. Allerdings müssen Studiengebühren und laufende Kosten bezahlt werden. Möglicherweise muss ein Antrag gestellt werden, dass das Bafög weiter ausgezahlt, oder das Stipendium verlängert wird.

3. Wie lange kann ich mein Studium in der Heimat ‚auf Eis legen‘.

Stimmen die Kurse an der Gastuniversität weitestgehend mit den Kursen der Heimatuniversität überein, verlängert sich das Studium durch den Auslandsaufenthalt nicht unbedingt. Im Idealfall kommt man nach dem Aufenthalt zurück und studiert mit den Kommilitonen weiter, mit denen man das Studium schon begonnen hat. Leider klappt dieser nahtlose Übergang jedoch nicht immer so leicht. Oft müssen Kurse an der Heimatuniversität wiederholt werden, nachdem man vom Auslandsstudium zurück gekommen ist. Ist man nur für einen Studienabschnitt im Ausland, können die versäumten Kurse oft noch nachgeholt werden, ohne dass sich die normale Studienzeit zwingend verlängert. Bei längeren Aufenthalten ist dies dann kaum noch möglich. Darüber hinaus muss berücksichtigt werden, dass einige Kurse der Heimatuniversität nicht jedes Semester angeboten werden, sondern nur einmal im Jahr. Dies kann dazu führen, dass man sein Studium nicht nur um ein Semester verlängern muss, sondern um ein ganzes Jahr.
Übrigens: Verlängert sich das Studium wegen einem Auslandssemester, heißt das noch nicht, dass der Abschluss in Deutschland außerhalb der Regelstudienzeit abgeschlossen wird. Während man für ein Semester im Ausland ist, kann man sich an der Heimatuniversität beurlauben lassen. Solche ein Urlaubssemester ist dann zwar ein Hochschulsemester, da man weiterhin an der deutschen Hochschule immatrikuliert ist, aber kein Fachsemester, d.h. bei der Erlangung des deutschen Abschlusses wird es nicht hinzugezählt. Dies ist auch für jene wichtig, die BaföG beziehen, da Langzeitstudenten (also jene, die über der Regelstudienzeit studieren) in der Regel weniger Förderung erwarten können.

Ein Beispiel: Marie möchte einen Bachelor im Fach Biologie an der Uni Münster absolvieren. Die Regelstudienzeit beträgt 3 Jahre, also 6 Fachsemester. Das dritte Semester möchte sie in Spanien verbringen. Die Kurse der spanischen Universität entsprechen allerdings nicht denen der Uni Münster. Daher verpasst Marie im dritten Semester einige Kurse in Deutschland. Diese Kurse muss sie nach ihrer Rückkehr nachholen, wodurch sie ein Semester länger in Münster bleiben muss. Insgesamt bleibt sie dann für 7 Semester in Münster eingeschrieben. Für das 3. Semester, das sie in Spanien verbringt, lässt sich Marie in Münster beurlauben. Sie zahlt dann zwar einen Studienbeitrag, nicht aber die gesamten Studiengebühren und bleibt weiter eingeschrieben. Dieses Semester ist dann zwar ein Hochschulsemester an der Uni Münster, aber kein Fachsemester, da sie in dieser Zeit keine Kurse ihres Studiengangs belegt. Sobald sie ihren Bachelor in Biologie nach 7 Semestern absolviert hat, kann sie sagen, sie hat den Abschluss in der Regelstudienzeit absolviert.



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